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COT Daten im Trading

Ein Blick in die Karten der Großen

Symbolbild mit Spielkarten als Metapher für den Einblick in CoT-Daten großer Marktteilnehmer<br />

Werter Trader, werte Traderin,

Stell Dir vor, Du spielst eine Runde Poker und Dein Einsatz ist eine ordentliche Summe Geld. Plötzlich wird Dir gesagt, Du darfst einen Blick in die Karten der besten Spieler werfen. Unvorstellbar, oder? Und doch ist genau das im Trading-Kontext möglich – wenn Du lernst, CoT-Daten zu verstehen.

Die sogenannten CoT-Daten (Commitments of Traders) geben Dir nämlich genau diesen Blick. Sie zeigen, wie große Marktteilnehmer, darunter Fonds, Banken und Produzenten, aktuell positioniert sind. Das sind keine Zaubertricks oder Gerüchte, sondern konkrete Zahlen. Und wer die CoT Daten richtig lesen kann, bekommt ein klareres Bild davon, wie es um einen Markt bestellt steht.

Doch was genau steckt hinter diesen Daten? Warum sind sie relevant und wie lassen sie sich sinnvoll nutzen? Diesen Fragen gehen wir in diesem Artikel auf den Grund und schauen uns an:

  • Wie die CoT-Daten entstanden sind und wer hinter ihnen steckt
  • Welche Gruppen es gibt und warum deren Verhalten so aufschlussreich ist
  • Wie Du CoT-Daten richtig verstehst, einordnest und mit welchen Methoden,
  • Wie wir CoT-Daten noch mächtiger machen können
  • Und ob sich bestimmte Märkte aus der „CoT-Brille“ besonders eignen

i 3 Inhaltsverzeichnis

Viele angehende Trader stellen sich die Frage, wie man CoT-Daten lesen im Trading konkret umsetzt. Denn nur zu wissen, dass es diese Daten gibt, reicht nicht – die Kunst liegt in der richtigen Interpretation.

Was sind CoT-Daten überhaupt?

Bevor wir tiefer einsteigen, klären wir kurz die Grundlagen: Was sind CoT-Daten eigentlich genau – und warum lohnt es sich, sie im Trading zu berücksichtigen? Die CoT-Berichte wurden nicht etwa von Trading-Gurus erfunden, sondern von der Commodity Futures Trading Commission (CFTC), der US-Aufsichtsbehörde für Terminmärkte, an denen unter anderem Futures gehandelt werden.

Ziel dabei: Transparenz schaffen. Seit den 1960er Jahren veröffentlicht die CFTC diese Berichte, in denen steht, wie verschiedene Gruppen von Marktteilnehmern an US-Terminmärkten positioniert sind. Der erste CoT-Bericht erschien 1962, damals monatlich und nur für eine Handvoll Agrarrohstoffe.

Heute umfasst der Report mehr als 50 Märkte, von Gold über Rohöl bis hin zum S&P 500 und wird jede Woche freitags um 21:30 Uhr deutscher Zeit mit den Positionen vom jeweils vorausgegangenen Dienstag veröffentlicht. Klar, das ist kein Live-Datenstrom. Aber dafür sind es verpflichtend gemeldete Zahlen, keine Schätzungen! Du siehst damit nicht nur, dass der Goldpreis steigt. Du siehst, wer ihn kauft. Hedgefonds? Minengesellschaften? Oder doch nur Kleinanleger?

Welche Akteure gibt es im CoT-Bericht und was verraten sie?

Um aus den CoT-Daten allerdings echten Mehrwert ziehen zu können, musst Du wissen, wer dort eigentlich wie agiert. Denn nicht jede große Position verfolgt das gleiche Ziel. Ein Rohstoffproduzent, der sich gegen Preisschwankungen absichert, handelt mit ganz anderen Absichten als die Trading-Abteilung einer Großbank.

Wer das nicht unterscheidet, zieht die falschen Schlüsse. Also, welche Akteure gibt es denn nun im CoT-Report? Hier müssen wir genauer auf die Art des CoT-Reports schauen. Den einen CoT-Report gibt es nämlich nicht.

 

Welche Akteure gibt es im Legacy CoT-Bericht und warum wurde dieser abgelöst?

Ursprünglich veröffentlichte die CFTC den CoT-Bericht ausschließlich im heutzutage sogenannten Legacy-Format, in dem grob zwischen drei Gruppen unterschieden wird:

 Commercials: 

Große Marktteilnehmer mit Absicherungsinteresse, etwa Produzenten, Händler und Verarbeiter.

 Non-Commercials: 

Großanleger mit spekulativen Handelsabsichten wie Hedgefonds.

 

 Non-Reportables: 

Alle übrigen Teilnehmer, deren Positionen zwar Teil des Marktes sind, aber unterhalb der Meldegrenze liegen.

Klingt erstmal sinnvoll und in der Tat hat diese Unterteilung über viele Jahre gut funktioniert, bis neue Spieler auf die Bühne traten:  Insbesondere Indexfonds begannen, massiv Kapital in Rohstoffmärkte zu lenken. Allerdings kaufen diese logischerweise keinen physischen Weizen und lagern auch nicht fässerweise Öl ein. Sie investieren direkt über sogenannte Swaps, also synthetische Abbildungen der Preisentwicklung.

 

Funktionsweise von Swaps im Rohstoffmarkt

Was heißt das konkret? Ein Swap ist vereinfacht gesagt ein Tauschgeschäft: Ein Fonds will an der Preisentwicklung z. B. von Rohöl partizipieren, ohne selbst Futures zu handeln. Eine Bank springt ein, übernimmt das Risiko und sichert sich wiederum selbst über den Terminmarkt ab, indem sie Futures kauft oder verkauft.

Auf dem Papier erscheint die Bank also als Käufer oder Verkäufer am Terminmarkt, obwohl der eigentliche Impuls vom Fonds kam.Im Legacy-Report wird diese Position dennoch der Gruppe der Commercials zugeordnet. Also die Gruppe, in der auch Ölkonzerne oder Agrarhändler landen.Und genau das ist das Problem. Hier taucht eine Finanzinstitution plötzlich zwischen echten physischen Marktteilnehmern auf und verzerrt die Aussagekraft der Daten.

Legacy heißt der Bericht übrigens, weil die CFTC ihm nach Jahrzehnten treuer Dienste einen sanften Ruhestand gönnen wollte, ohne ihn eben ganz abzuschaffen. Er läuft weiter – ein wenig wie der alte Kollege, der „offiziell nicht mehr zuständig“ ist, aber irgendwie doch noch überall mitredet.

Stattdessen hat die CFTC 2009 den sogenannten Disaggregated CoT-Report eingeführt. Er unterteilt die Marktteilnehmer feiner und macht sichtbar, wer wirklich physisch im Markt ist.

 

Welche Akteure gibt es im Disaggregated CoT-Bericht?

Die Hauptgruppen im Disaggregated Report sind:

Producer / Merchant / Processor / User (PMPU)

Diese Gruppe besteht ausschließlich aus Unternehmen, die physisch mit dem jeweiligen Markt arbeiten, also z. B. Bergbauunternehmen, Agrarproduzenten oder Lebensmittelkonzerne. Sie nutzen Futures hauptsächlich zum Hedgen, also zur Absicherung ihrer Geschäfte. Als Beispiel: Ein Weizenproduzent verkauft Futures, um sich gegen potenziell fallende Erntepreise abzusichern. Der Großbäcker wiederum kauft Futures, um stabile Einkaufspreise zu garantieren.

Die PMPU sind also praktisch die „reinen, unverfälschten“ kommerziellen Händler des jeweiligen Handelsgutes – Swap Dealers sind darin im Gegensatz zum Legacy Report nicht inbegriffen! Das macht sie für uns Trader deutlich klarer in ihrer Aussagekraft.

Und das Beste: Diese Akteure werden oft als Smart Money bezeichnet, da sie aufgrund ihrer Branchenkenntnis frühzeitig Marktveränderungen wittern. Wenn diese Gruppe also übermäßig viel kauft und historisch wenig verkauft, ist das ein gutes Indiz dafür, dass die PMPU die Preise für außergewöhnlich günstig halten und die Preise mittel- bis langfristig wieder steigen werden.

Allerdings zeigt sich, dass auch in dieser Gruppe die Grenzen verschwimmen: Manche PMPU nutzen ihre Marktkenntnis mittlerweile auch gezielt spekulativ, was die Aussagekraft nicht komplett entwertet, aber eben ein Stück relativiert.

Managed Money

Unter Managed Money fallen z. B. Anlagefonds, Hedgefonds und Vermögensverwalter. Kurz gesagt, alle großen spekulativen Marktteilnehmer, die keine Absicherungszwecke verfolgen, sondern auf Gewinn durch Preisveränderungen aus sind. Der Vorteil für uns Trader: Ihr Motiv ist klar! Diese Akteure wollen Gewinne machen und handeln entsprechend prozyklisch:

  • Bei steigenden Kursen bauen sie Long Positionen auf
  • Bei fallenden Kursen erhöhen sie ihre Shorts

Das macht ihre Bewegungen gut nachvollziehbar und ihre Positionsveränderungen oft zu wertvollen Trendverstärkern oder Warnsignalen, je nach Marktlage.

Swap Dealers

Swap Dealer sind Finanzinstitute, die auf eigene Rechnung oder für Kunden Swaps und andere Derivate handeln. Ein typisches Beispiel wäre eine Bank, die einem Indexfonds ermöglicht, an der Wertentwicklung von Rohöl zu partizipieren und sich dann über Futures absichert, um kein direktionales Risiko einzugehen.

Früher wurden diese Swap-Geschäfte im CoT-Bericht, wie bereits erwähnt, unter den Commercials mitgeführt, was die Sicht auf die echten Hedger verzerrte. Heute trennt der Disaggregated Report klar: PMPU ist das eine, Swap Dealer das andere.

Diese Unterscheidung ist für uns Trader enorm wichtig, denn Swap Dealers handeln oft neutral zum Markttrend. Sie wollen kein Marktrisiko, sondern sichern lediglich Kundenpositionen ab. Was deren Kunden tatsächlich bezwecken, spekulieren oder hedgen, bleibt für uns allerdings unsichtbar. Diese Unterscheidung des Disaggregated Reports erlaubt uns also, die vage Aussagekraft der Swap Dealer von den PMPU zu trennen.

Other Reportables

Diese Gruppe ist eine Art Sammelbecken für größere Marktteilnehmer, die nicht unter Managed Money fallen – z. B. Family Offices oder sehr kapitalkräftige Privatinvestoren. Sie sind zwar meldepflichtig, verfolgen aber unterschiedliche Strategien und sind daher etwas schwieriger zu interpretieren. Mal agieren sie wie Spekulanten, mal wie Hedger.

Non-Reportables

Hier landet alles, was unter der Meldegrenze bleibt, also vor allem Retail Trader wie Du und ich. Sie werden im Report nicht direkt ausgewiesen, sondern rechnerisch als Restgröße bestimmt. Und obwohl es viele sind, ist ihr Anteil am Open Interest minimal.

Wie werden CoT-Daten richtig ausgewertet?

Soweit so gut. Wir wissen jetzt, was im CoT-Bericht steht und wer dort was meldet. Aber – mal ganz ehrlich – was nutzen uns diese Daten, wenn wir sie nicht in einen sinnvollen Rahmen setzen? Denn die wöchentlichen Netto-Positionen geben Dir zwar einen guten Überblick über die momentane Lage, aber entscheidend ist oft nicht die absolute Zahl, sondern: Wie extrem ist diese Position im historischen Kontext?

Stell Dir vor, die PMPU-Gruppe ist bei Sojabohnen-Mehl mit 200.000 Kontrakten netto short. Klingt heftig? Nur wenn Du weißt, dass sie regelmäßig bei 300.000 liegen, erkennst Du: 200.000 ist noch nichts Besonderes! Was Du brauchst, sind also historische Vergleichswerte, um aus der Positionierung auch wirklich eine Bedeutung abzuleiten. Um an die ranzukommen, haben wir ganz grob zwei Möglichkeiten.

CoT-Daten auswerten: manuell vs. automatisiert

Wenn Du gerne mit Tabellen jonglierst und kein Problem damit hast, regelmäßig Daten zu pflegen, kannst Du direkt zur Quelle gehen: Die CFTC bietet ein kostenloses CoT-Portal, bei der Du interaktiv nach Märkten filtern, Datenreihen ein- und ausblenden und Berichte direkt selbst als CSV herunterladen kannst.

Der Haken: Die Reports sind umfangreich. Wenn wir uns beispielsweise den „Disaggregated Futures Only Report“ für den Markt „Agriculture“ als HTML-Seite ausgeben lassen, erhalten wir folgende Übersicht:

 

HTML-Übersicht des Disaggregated CoT-Reports der CFTC mit detaillierter Gruppierung<br />

Sieht komplex aus, oder? Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt. Die einzelnen Reports sind riesig und alles andere als schön anzusehen. Was Du also machen kannst und was wir viele Jahre auch so gemacht haben, ist Dir die relevanten Werte herauszusuchen und manuell jede Woche aufs Neue die eigene Übersicht zu aktualisieren, um den Überblick zu behalten.

 

CoT-Daten manuell auswerten

Einige findige Programmierer und Entwickler schaffen es auch, die aktuellen CoT-Daten direkt von der CFTC-Website zu ziehen und sie in Google Sheets oder Excel PowerQuery einzubinden. Diese Lösung ist natürlich super, da man sich die Daten kostenlos besorgen kann und wenig nachträglichen Aufwand hat.

Dafür sind aber leider Programmierkenntnisse notwendig, was die Lösung für viele nicht praktikabel bzw. einfach zu technisch macht. Stattdessen können wir, wenn wir uns die Arbeit nicht machen wollen und bereit sind, etwas Geld in die Hand zu nehmen, auf spezialisierte Endlösungen zurückgreifen, die uns diese Arbeit abnehmen und mit denen wir professionell arbeiten können.

 

Professionelle Tools zur CoT-Analyse

Eine dieser Lösungen ist unsere Futures Insights Plattform, in der wir uns gleich eine beispielhafte CoT-Situation für das Managed Money anschauen. Eines sei allerdings noch vorweg gesagt: Selbstverständlich gibt es viele weitere gute Tools da draußen, die zur Analyse von CoT-Daten geeignet sind, sich aber vom Funktionsumfang und der Oberfläche deutlich unterscheiden können. Wichtig ist, dass Du Dich für ein Tool entscheidest, das zu Deinem Budget und Deinem Handelsstil passt.

 

Fundamental Analyse Software

Futures Insights

Futures Insights analysiert für Dich automatisch die Futures-Märkte – auf Basis von CoT-Daten, saisonalen Phasen, dem Open Interest und der Terminstruktur. Entwickelt speziell für SwingTrader, zeigt Dir die Software auf einen Blick ideale Trading-Gelegenheiten, um Trades mit hoher Trefferquote strategisch umzusetzen!

CoT-Daten auswerten: Ein Praxisbeispiel

Wie versprochen, lass uns jetzt die CoT-Situation eines Marktes ansehen, der zur Veröffentlichung des letzten CoT-Reports der CFTC interessant war. Dafür nehmen wir ZM, also den Future auf Sojabohnen-Mehl! Vielleicht denkst Du jetzt: „Sojabohnen-Mehl? Was ist denn das für ein Markt?“ Verständlich. Ging mir genauso.

Allerdings ist ZM ein sehr liquider Markt mit klarem saisonalen Verlauf und aktiven kommerziellen Händlern – also perfekt für die CoT-Analyse geeignet. Warum das so ist, darüber sprechen wir im letzten Kapitel noch. Schauen wir uns aber erstmal die aktuelle Situation an. Konkret: die Long und Short Positionierung des Managed Money:

Analyse der CoT-Daten im Sojabohnen-Mehl-Future mit Fokus auf Managed Money

In der Grafik siehst Du:

  • Zwei weiße Punkte: aktuelle Netto-Long und Netto-Short-Positionen
  • Farbige Punkte: Historische Werte – je heller, desto näher am aktuellen Datum

Für die Auswertung dieses Bilds möchte ich Dich jetzt erneut daran erinnern, wonach wir Ausschau halten wollen.Erinnerst Du Dich? Richtig, Extrempositionen! Wenn wir uns die Longs mal genauer anschauen, scheint alles im grünen Bereich: Die Position des Managed Money liegt absolut im Normalbereich, weder besonders hoch noch besonders niedrig. Wie viele Kontrakte das genau sind, ist für unsere Zwecke sogar nebensächlich, es geht lediglich um den Vergleich mit der Vergangenheit. Und das sieht bei den Shorts im Vergleich zu den Longs doch viel extremer aus! Bei den haben wir nämlich eine Position, die historisch gesehen extrem hoch ist.

Was bedeutet das jetzt? Wirf für den Kontext einen kurzen Blick auf den Wochen-Chart von ZM, bei dem wir seit etwa Mitte 2022 einen aggressiven Short-Trend beobachten können:

Wochenchart von ZM mit deutlich erkennbarem Short-Trend seit Mitte 2022

Wenn wir uns jetzt die Short-Positionierung des Managed Money vor Augen halten, entsteht ein klares Bild: Das Managed Money ist extrem short investiert. Sie haben diese Short-Bewegung als Trendfolger nicht nur begleitet, sondern aktiv vorangetrieben und ihre Positionen immer weiter aufgebaut.

Wenn wir uns den Dry Powder MMS (Managed Money Short) Indikator genauer anschauen, hatten wir in den letzten 10 Jahren lediglich eine einzige Short-Positionierung, wo noch mehr Short Kontrakte gehalten wurden.

Wenn wir also isoliert die CoT-Daten betrachten, stellt sich jetzt die Frage: Wenn die Großspekulanten schon maximal short investiert sind, wer soll dann noch weiter verkaufen?

Theoretisch könnten natürlich immer noch größere Short-Positionen aufgebaut und mehr Handelsinstitutionen aktiv werden. Allerdings erlauben uns die CoT-Daten das „Spielfeld“ zu identifizieren, indem sich die Marktteilnehmer für gewöhnlich bewegen.

Das Wissen darüber ist ein enormer Vorteil, den wir im Trading nutzen können, auch wenn keine hundertprozentige Sicherheit besteht, dass das Spielfeld nicht möglicherweise ausgebaut wird. Das ist nun mal Trading: Wir handeln mit Wahrscheinlichkeiten – nicht mit Sicherheiten.

Historische Short-Positionierung des Managed Money anhand des Dry Powder Indikators<br />

Wie geht man mit CoT-Extremwerten sinnvoll um?

Also gut. Denken wir einen Schritt weiter. Solltest Du jetzt alles stehen und liegen lassen und voller Überzeugung in den Sojabohnen-Mehl-Future springen, nur weil das Managed Money kaum Schießpulver für den Short-Trend übrig hat? Bitte nicht. Genau hier passiert ein häufiger Denkfehler: Viele Trader verwechseln CoT-Signale mit Einstiegssignalen und wundern sich, wenn der Kurs nicht brav dreht, sondern erstmal einfach weiterläuft. Deshalb präge Dir bitte eines ein: CoT-Daten zeigen Dir eine Tendenz, sind aber keine Einstiegstrigger. Sie helfen Dir, die fundamentale Ausrichtung eines Marktes zu verstehen.

Mit anderen Worten bedeutet das: In welche „Richtung“, long oder short, es aus Sicht der großen Spieler mittel- bis langfristig sinnvoll ist, nach Trades zu schauen. Das bedeutet, Du kannst mit CoT-Daten Deine Handelsideen in ihrer Wahrscheinlichkeit stärken, bekommst aber keinen Fahrplan mit Einstiegszeitpunkt geliefert. Allerdings bedeutet eine Extremposition nicht, dass der Trend von heute auf morgen beendet ist und der Kurs auf magische Art und Weise dreht.

    Zwei Dinge musst Du daher verstehen:

    1. Langfristiger Blick gefragt

    CoT-Daten eignen sich nicht für kurzfristige Trades. An die Daytrader unter uns: Ihr müsst jetzt tapfer sein, das hier ist nicht eure Baustelle.

    2. CoT ist kein Einstiegssignal 

    Wer versucht, nur auf Basis der CoT-Daten zu traden, wird über kurz oder lang feststellen: Das Portfolio sieht das gar nicht gern. Ohne sauberes Timing für Deinen Entry bringt Dir selbst die beste Grundausrichtung wenig.?

    Was also tun? Sobald Du erkannt hast, dass z. B. Long aus fundamentaler Sicht sinnvoll erscheint, brauchst Du den nächsten Schritt: die Chartanalyse! Nur wenn der Markt Dir auch eine passende Location und ein sauberes Setup bietet, wird aus der CoT-Idee ein echter Trade. CoT-Daten sagen Dir „Was“, der Chart zeigt Dir „Wann“.

      CoT-Daten = Fundamental-Situation?

      Ich hoffe, Du konntest bisher einen Eindruck geben, wie viel Informationskraft Du aus den CoT-Daten für Dein Trading gewinnen kannst. Allerdings haben wir bisher gerade einmal die absolute Positionierung des Managed Money betrachtet.Jetzt zu behaupten, wir hätten damit schon den vollen Überblick über die Fundamental-S ituation im ZM, wäre übertrieben.

      Denn was im Chart gilt, gilt auch im Fundamentalen: Ein einzelnes Signal macht noch keinen Trade. Im Trading geht es immer darum, möglichst viele relevante Indizien für einen Trade zu sammeln. Je mehr davon in dieselbe Richtung zeigen, desto besser stehen die Chancen, dass Du mit Deiner Einschätzung Recht behalten wirst.

      Übertragen auf unsere Situation heißt das: Wir wollen den Long-Eindruck, den wir durch die Managed-Money-Seite gewonnen haben, mit weiteren fundamentalen Faktoren stützen. Drei Dinge stehen dabei ganz oben auf unserer Liste:

      1. Die Positionierung der PMPU

      Besonders spannend wird es, wenn auch die PMPU-Seite, also Produzenten, Verarbeiter & Co, an einem historischen Extrem steht.
      Wenn beide Gruppen Extrempositionen einnehmen, ergeben sich besonders gute Chancen.

      2. Weitere wichtige fundamentale Einflussgrößen

      • Markt-Saisonalitäten: Gibt es typische Marktbewegungen zu bestimmten Jahreszeiten?
      • Struktur der Terminkurve: Liegt ein Contango oder Backwardation-Muster vor und was sagt das über Angebot und Nachfrage?.

      3. Erweiterung des Kontexts

      Die CoT-Daten selbst lassen sich noch aussagekräftiger machen, indem wir sie mit weiteren Variablen in Beziehung setzen:

      • Aktueller Preis: Ist der Markt historisch teuer oder billig
      • Gesamtzahl involvierter Marktteilnehmer: Sind es gerade besonders viele oder wenige?
      • Total Open Interest: Wie viele Kontrakte sind insgesamt überhaupt offen?

      Damit Du Dir vorstellen kannst, weshalb das so ist, schau Dir erneut das Bild der Positionierung des Managed Moneys aus dem Beispiel oben an.

        Extremwertanalyse der CoT-Daten in Futures Insights zur Bestimmung von Trendgrenzen<br />

        Damit Du Dir vorstellen kannst, weshalb das so ist, schau Dir erneut das Bild der Positionierung des Managed Moneys aus dem Beispiel oben an. Wie Du weißt, handelt es sich dabei um eine Short-Extrempositionierung des Managed Money. Aber wäre die Positionierung nicht weniger extrem, wenn der Markt allgemein sehr viele offene Positionen vorweist und die Extrem-Positionierung sozusagen als Nebeneffekt eines sehr aktiven Handels in diesem Markt auftritt?

        Oder wäre die Positionierung umgekehrt nicht umso aussagekräftiger, je niedriger der Preis wäre und der Markt in einen „überverkauften“ Preisbereich fällt? Den kann es bei Handelsgütern, auf die die weiterverarbeitende Industrie angewiesen ist, nämlich durchaus geben. Zugegeben, den Überblick über so viele Variablen zu behalten und sie miteinander richtig in Beziehung setzen, ist alles andere als einfach, aber die Arbeit lohnt sich, wie unser „Overbought Oversold“-Indikator beweist:

        In welchen Märkten funktionieren CoT-Daten besonders gut?

        Zum Schluss solltest Du noch wissen, dass nicht jeder Markt gleich gut für CoT-Analysen geeignet ist. Zwar deckt der Bericht heutzutage über fünfzig Märkte ab, doch nicht überall liefern die Daten für CoT-Trading den gleichen Mehrwert. Wenn Du das volle Potenzial der CoT-Daten ausschöpfen willst, solltest Du gezielt in Märkten arbeiten, die gewisse Kriterien erfüllen.

         

        Was macht einen Markt „CoT-tauglich“?

        Du solltest Dich auf Märkte konzentrieren, in denen:

        1. kommerzielles Interesse & physische Teilnehmer:

        Ein klares kommerzielles Interesse mit Absicherungsinteresse besteht und kommerzielle Teilnehmer tatsächlich physisch aktiv sind.

        2. hohes Open Interest: 

        Ein ausgeprägtes Open Interest besteht. Je höher dieser Wert ist, desto verlässlicher sind die Daten.

        3. saisonale Muster & Zyklen

        Historische Zyklen und Saisonalitäten vorkommen. Märkte mit saisonalem Charakter zeigen oft klare Muster in der Positionierung, wodurch die CoT-Daten besonders aussagekräftige Hinweise liefern können.

        Diese Märkte sind für CoT-Trader besonders spannend

        Wenn wir uns die eben genannten Kriterien vor Augen halten, sind vor allem die folgenden vier Futures-Märkte interessant:

          Märkte sind für CoT-Trader

           Energie- und Metallmärkte 

          Rohstoffe mit realwirtschaftler Verankerung: (Energie- und Metallmärkte) Dazu zählen:

          Markt

          Börsenkürzel

          Gold

          GC

          Silber

          SI

          Platin

          PL

          Kupfer

          HG

          Crude Oil

          CL

          Erdgas

          NG

          Heizöl

          HO

          Benzin (RBOB)

          RB


          Diese Märkte haben eine hohe physische Relevanz, starke kommerzielle Teilnehmer und ein sehr aktives Managed Money.

           Agrarmärkte 

          Agrarmärkte mit saisonalem Muster: Getreidemärkte und Soft Commodities – Dazu zählen:

          Markt

          Börsenkürzel

          Mais

          ZC

          Weizen

          ZW

          Sojabohnen

          ZS

          Sojamehl

          ZM

          Sojaöl

          ZL

          Kakao

          CC (ICE)

          Baumwolle

          CT (ICE)

          Kaffee

          KC (ICE)

          Zucker

          SB (ICE)

           

          Hier siehst Du oft klare saisonale Phasen und antizyklische Positionierungen von Commercials, z. B. Käufe zu Erntetiefs.

           

           Fleischmärkte 

          Markt

          Börsenkürzel

          Lebendrind

          LE

          Magerschwein

          HE

          Diese Märkte sind stark von biologischen Produktionszyklen geprägt. Kommerzielle Händler wie Mastbetriebe und Fleischverarbeiter sichern sich häufig gegen Preisschwankungen ab, was regelmäßig zu deutlichen Extrempositionen führt.

           

           Währungsmärkte 

          Markt

          Börsenkürzel

          Australischer Dollar

          6A

          Britisches Pfund

          6B

          Kanadischer Dollar

          6C

          Euro

          6E

          Japanischer Yen

          6J

          Schweizer Franken

          6S

           

          Auch hier liefern die CoT-Daten interessante Einblicke, vor allem in Bezug auf spekulative Positionierungen großer Fonds. Es gibt allerdings keine klassischen Hedger wie in Rohstoffmärkten, was die CoT-Analyse komplexer, jedoch nicht unmöglich macht.

           

          Auch hier liefern die CoT-Daten interessante Einblicke, vor allem in Bezug auf spekulative Positionierungen großer Fonds. Es gibt allerdings keine klassischen Hedger wie in Rohstoffmärkten, was die CoT-Analyse komplexer, jedoch nicht unmöglich macht.

          Oliver Sparing Head Coach TradeNeon Academy

          Dein Weg zum strukturierten Swingtrader

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          Abschließende Worte

          Das war eine Menge Input, keine Frage! Aber ganz ehrlich, CoT ist ein unfassbar wertvolles Asset im Trading, das ich heutzutage auf keinen Fall mehr missen möchte. Deshalb wollte ich Dir heute nicht nur die Basics, sondern auch ein paar tiefere Einsichten mit auf den Weg geben. Insofern hoffe ich, Du konntest ein gutes Gespür dafür entwickeln, was der Commitment of Traders Report ist und wie viel Potenzial darin steckt, wenn man ihn klug einsetzt.

          Natürlich ersetzen die CoT-Daten kein klares Regelwerk. Sie sind kein Einstiegssignal, sondern ein Kompass: Sie zeigen Dir, in welche Richtung Du denken solltest und helfen Dir, bessere Entscheidungen zu treffen.

          Und was ich besonders an ihnen mag: Sie ermöglichen eine Art des Handels, die nicht hektisch oder nervenaufreibend ist, sondern strukturiert, planbar und ja: recht entspannt. Die Rede ist vom Swingtrading.

          Wenn Du bereit bist, Dir ein wirklich solides Marktverständnis aufzubauen und lernst fundamentale Daten korrekt auszuwerten, dann kannst Du mit dieser Methode langfristig ruhig und effizient traden. Wenn Dich genau dieser ruhigere, strategische Handelsstil anspricht, schau Dir gern unsere Swingtrading-Ausbildung an.

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          Falls Du Dir gerade überlegst, ob das was für Dich sein könnte, oder Du vielleicht schon dabei bist, Deinen eigenen Ansatz zu entwickeln: Dann lohnt es sich, das nicht allein zu machen. Manchmal bringt einer kurzer Austausch mehr als zehn Stunden Grübeln. Wenn Du also magst: Melde Dich gerne bei uns.

          Das war’s für heute – Ich hoffe, Du hattest Freude beim Lesen und konntest das ein oder andere für Dich mitnehmen. Bis zum nächsten Mal und wie immer – gute Trades!

          Dein Simon und das Team der TradeNeon Academy

          FAQ

          Häufige Fragen rund um CoT Daten

          Was sind CoT-Daten und warum sind sie wichtig?

          CoT-Daten (Commitments of Traders) zeigen, wie große Marktteilnehmer – etwa Fonds, Banken oder Produzenten – an Terminmärkten positioniert sind. Wer CoT-Daten versteht, kann Marktbewegungen besser einschätzen und das Verhalten des „Smart Money“ gezielter analysieren.

          Wie kann ich CoT-Daten richtig verstehen und nutzen?

          Um CoT-Daten richtig zu verstehen, musst Du wissen, welche Gruppen dahinterstecken und wie ihre Positionen historisch einzuordnen sind. Besonders die Analyse von Extremwerten hilft dabei, sinnvolle Trading-Tendenzen zu erkennen – sie ersetzen aber kein Einstiegssignal.

          Wo finde ich aktuelle CoT-Daten?

          Die CoT-Daten werden wöchentlich von der US-Aufsichtsbehörde CFTC veröffentlicht – kostenlos im CoT-Portal. Alternativ bieten Tools wie unsere Futures Insights Plattform eine visuelle Aufbereitung mit vielen Zusatzfunktionen.

          Für welche Märkte sind CoT-Daten besonders hilfreich?

          CoT-Daten sind besonders wertvoll in Märkten mit hohem kommerziellem Interesse und viel Open Interest. Dazu zählen vor allem Rohstoffe, Agrarprodukte, Metalle und Währungen mit aktiven Großspekulanten und saisonalen Mustern.

          Kann ich mit CoT-Daten kurzfristig traden?

          Nein – CoT-Daten sind keine Einstiegs-Trigger, sondern liefern eine fundamentale Markteinschätzung. Sie eignen sich für Swingtrading oder mittel- bis langfristige Analysen, nicht für kurzfristige Trades wie Daytrading.

          Was bedeutet es, CoT-Daten wirklich zu verstehen?

          „CoT-Daten verstehen“ heißt, über die Zahlen hinauszuschauen: Wer handelt mit welcher Absicht? Wie extrem ist die Position im Vergleich zur Historie? Je klarer Du die Zusammenhänge erkennst, desto strategischer kannst Du agieren.